Pressemitteilungen

30.06.2020, 10:00 Uhr | Verfasser: Thorsten Köster
„Wir stehen Ehrenbürgerschaft Sally Perels offen gegenüber“
Ernennung wäre aber ein Paradigmenwechsel der bislang angelegten Auswahlkriterien
Den jüngsten Verleihungen der Ehrenbürgerschaft der Stadt Braunschweig an Gerhard Glogowski (2008), Ferdinand Piëch (2013) und Richard Borek (2019) gingen jeweils auch politisch kontroverse Debatten voraus. „Bei dem neuen Vorschlag von Oberbürgermeister Ulrich Markurth, den israelischen Autoren Salomon ‚Sally‘ Perel zum Braunschweiger Ehrenbürger zu ernennen, wird es das in der Mitte unserer Gesellschaft nicht geben. Auch wir stehen dem Ansinnen von Oberbürgermeister Markurth selbstverständlich offen gegenüber“, sagt Thorsten Köster, unser Fraktionsvorsitzender. 
Auf Vorschlag von Oberbürgermeister Markurth soll Sally Perel in der Ratssitzung am 14. Juli zum neuen Braunschweiger Ehrenbürger gewählt werden

„Gleichwohl wird es, die Mehrheit im Rat vorausgesetzt, eine völlig andere Ehrenbürgerschaft als wir sie bislang nach 1945 in unserer Stadt kannten. Perels Verdienst ist es, bundesweit junge Menschen über die Verbrechen der Nationalsozialisten an den Juden aufzuklären – und das auch häufig in Braunschweig. Das gilt es zu honorieren“, meint Köster. Perel zum Ehrenbürger zu ernennen, bedeute aber auch einen Paradigmenwechsel. Alle anderen Ehrenbürger nach Ende des Zweiten Weltkriegs, angefangen beim ehemaligen Oberbürgermeister Ernst Böhme, hatten jeweils langjährige Funktionen oder machten sich als Förderer über einen langen Zeitraum verdient um die Stadt Braunschweig. Perel wäre der erste, der für seine ideellen Verdienste ausgezeichnet würde.

Den heute 95-Jährigen, der mit seiner Autobiografie „Ich war der Hitlerjunge Salomon“ bekannt wurde, verbindet mit Braunschweig insbesondere die Zeit von 1943 bis 1945, als er im Vorwerk von Volkswagen eine Lehre absolvierte. Zuvor hatte er, um seiner Erschießung zu entgehen, 1941 gegenüber den Nationalsozialisten behauptet „Volksdeutscher“ zu sein und musste in die Hitlerjugend eintreten. Unter dem Namen Josef Perjell arbeitete er danach auch als Dolmetscher für die Wehrmacht. „Die Lebensgeschichte von Salomon Perel ist faszinierend und ergreifend. Ich war noch Oberstufenschüler an der Raabeschule, als ich erstmals an einer Lesung von ihm teilnahm. Ich war tief beeindruckt“, erinnert sich Köster. „Sally Perel ist ein sehr besonderer Mensch“, meint er.

Der in Israel lebende Perel hat in Deutschland, der Region und in Braunschweig bereits eine Reihe von Ehrungen und Auszeichnungen erhalten. In Braunschweig wurde die IGS Volkmarode nach ihm benannt, regional trägt ein Preis für Toleranz, der Initiativen von jungen Menschen würdigt, seinen Namen, und er erhielt bereits das Bundesverdienstkreuz. Seine Geburtsstadt Peine und die Stadt Oberhausen verliehen ihm jeweils den städtischen Ehrenring. „Perel ist ein Botschafter der Völkerverständigung. Trotz des Leids, das Deutsche den Juden und auch seiner Familie in der Nazi-Zeit angetan haben, ist Perel nicht verbittert, sondern verbindlich und möchte versöhnen und vor Intoleranz warnen. Das nötigt Respekt ab“, so Köster. Perels Eltern hatten den Holocaust nicht überlebt. 

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