Pressemitteilungen

05.12.2018, 11:30 Uhr
Thorsten Köster im großen Interview mit der Braunschweiger Zeitung
"Nur wer mitwirkt, kann auch gestalten"
In einem großen Interview mit der Braunschweiger Zeitung konnte unser Fraktionsvorsitzender Thorsten Köster nach seinen ersten 100 Tagen im Amt eine erste Bilanz ziehen und auch grundsätzlich mit Henning Noske darüber sprechen, was ihn motiviert in seiner Heimatstadt Politik zu gestalten.
Im großen Interview mit der BZ - unser Vorsitzender Thorsten Köster
Im Interview - Der neue CDU-Fraktionschef Thorsten Köster hat einen personellen Umbruch eingeleitet.

Thorsten Köster (36) ist seit etwas mehr als 100 Tagen Vorsitzender der CDU-Fraktion im Rat der Stadt und hat dort einen personellen Umbruch eingeleitet. Wir haben mit ihm gesprochen.


Sie sind seit 12 Jahren im Rat und seit sechs Jahren Geschäftsführer - jetzt haben Sie zusätzlich auch die Fraktionsführung übernommen. Was sind Ihre ersten Eindrücke?
Mein Vorteil ist, dass viele Themen nicht neu auf mich zukommen. Da bin ich schon drin. Für mich war wichtig, dass wir uns personell erneuern, um dann inhaltlich noch einmal durchzustarten. Schon eine Woche nach meiner Wahl haben wir den Fraktionsvorstand neu gewählt und 50 Prozent der fachpolitischen Sprecher neu besetzt.
Wir konnten so die vorhandene fachliche Qualifikation und das politische Themenfeld am besten in Einklang bringen. Die Fraktion ist hochmotiviert, das merke ich an den vielen neuen Ideen meiner Fraktionsmitglieder. Wir konnten bereits die ersten umsetzen, beispielsweise zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept und zum Haushalt. Das Profil der Braunschweiger CDU wollen wir weiter schärfen.

Motiviert war die Fraktion sicherlich vorher auch schon, immerhin waren Sie der Geschäftsführer. Sie haben aber auch einen konsequenten Verjüngungsprozess eingeleitet. Was bedeutet es, wenn die 30-Jährigen die 60- und 70-Jährigen ablösen?
Ich will nicht nur von Verjüngung, sondern auch von Erneuerung sprechen. Ich habe großen Respekt vor der Lebensleistung aller, die in den 60ern oder 70ern sind, weil sie in der Regel schon mehr als 20 Jahre Erfahrung im Rat haben. Erstens gehört da ja eine Menge dazu, immer wiedergewählt zu werden. Man muss jedoch auch zweitens zugeben: Da gibt es eingetretene Pfade. Und mit der Erneuerung können wir diese ein wenig verlassen und neue Ideen auch für die Großstadt-CDU auf den Weg bringen.

Das ist eine Herausforderung, vor der auch andere Gliederungen Ihrer Partei stehen - und vor der natürlich auch andere Parteien stehen. Wie muss sich denn Politik heute erneuern, um die Menschen, auch jüngere, zu erreichen?
Als ich noch zur Schule ging, war klar: Abends, 20 Uhr, gibt es die Tagesschau. Und am nächsten Morgen liest man die lokale Tageszeitung, um informiert zu sein. Die Braunschweiger Zeitung hat heute wahnsinnig viele Online-Angebote, viele Portale, um die Menschen zu erreichen.
Wir leben in einer Gesellschaft, die sehr verwöhnt ist. Man kann es sich leisten, sich mehr um das Individuelle zu kümmern. Gemeinschaft ist nicht mehr so attraktiv. Man will die Informationen jederzeit und immer gerade dann haben, wenn man sie braucht. Also müssen auch wir als Politik andere Formate finden, um die Menschen zu erreichen.
Seit 40 Jahren haben wir eine Geschäftsstelle im Rathaus. Wir haben wenige Anrufe, wenige Besucher, vielleicht ein paar mehr E-Mails. Wir müssen also mehr rausgehen, um die Menschen zu erreichen und um vor Ort zu hören: Was wollt ihr? Wie können wir euch helfen? Und uns so einmischen in die Diskussion, wie wir es hinbekommen, dass wir unsere Politik besser erklären können.

Auf den Politikern wird oft herumgehackt. Man sagt, dass sie sich bedienen und profilieren wollen. Warum tun Sie sich das an?
Das ist mir zur Kommunalwahl 2016 besonders aufgefallen. Da sind wir oft blöd angemacht worden. Es gibt aber niemanden, der durch Kommunalpolitik reich geworden ist. Niemand macht sich da die Taschen voll. Die Kommunalpolitiker im Rat machen das ehrenamtlich. Ich habe jedoch gesehen, dass man in der Kommunalpolitik am meisten für die Mitmenschen erreichen kann. Wer mit offenen Augen durch seine Stadt geht, sieht, wo Defizite sind. Man sieht aber auch, was gut gelaufen ist, auch in anderen Städten. Es ist auch ein gutes Gefühl und ein schöner Antrieb, wenn man durch die Stadt geht und sagen kann: Da habe ich mitgewirkt, das ist doch etwas Gutes geworden.

Ehrenamtlich sind Sie ja auch als freiwilliger Feuerwehrmann unterwegs. Was bedeutet dieses Engagement für Sie?
Ich muss gestehen, dass die Feuerwehr unter meinem politischen Engagement gerade etwas leidet. Trotzdem ist es für mich immer wieder die klassische Erdung, die man braucht. In dem Augenblick, wenn die Freiwillige Feuerwehr zu einem Alarm gerufen wird, dann ist das in der Regel, wenn irgendjemand in Not ist oder Hilfe benötigt. In dieser Situation kann man extrem viel zurückgeben.

Warum machen das dann immer noch zu wenige Zeitgenossen?
Mit der Antwort auf diese Frage hätten wir einen Schlüssel zu ganz vielen Problemen in der Hand. Ich kann es Ihnen, ehrlich gesagt, nicht erklären. Wir sind jetzt gerade vom Heidberg nach Bienrode umgezogen. Bienrode hat 1100 Einwohner - davon sind mehr als 100 Menschen in der Freiwilligen Feuerwehr. Als Aktive oder als fördernde Mitglieder. Sie sagen: Ich übernehme Verantwortung, auch Verantwortung für die, die für mich ins Feuer gehen.
Wir müssen, wie auch vorhin schon angedeutet, oft aber leider auch gegen eine gewisse Gleichgültigkeit angehen. Das liegt daran, dass es uns gut geht. Wir haben in Deutschland keine Existenznöte. Dann denkt allzu oft jeder nur noch an sich.

Was empfehlen Sie?
Ich kann alle nur dazu aufrufen, sich in den Parteien oder ehrenamtlichen Organisationen zu engagieren. Und zu sagen: Wir haben Glück gehabt - und lasst uns ein Stück weit etwas davon zurückgeben.

Parteien wollen ja auch miteinander streiten und ihren Kurs durchsetzen. Setzen Sie persönlich auf Konfrontation oder Zusammenarbeit?
Kommunalpolitik ist per se auf Konsens angelegt. Aber wir machen keinen Konsens um jeden Preis. Wir machen auch keine Fundamentalopposition um jeden Preis. Nur der, der mitwirkt, kann auch gestalten. Aber: Ein Kompromiss ist immer nur dann gut, wenn alle Beteiligten guten Gewissens vor ihre Anhänger treten können und die Leitlinien der eigenen Politik gewahrt bleiben. Außerdem ist mein Ziel, die CDU in Braunschweig zurück zu alter Stärke zu führen. 2021 wollen wir wieder stärkste Fraktion werden.

 

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