Pressemitteilungen

28.02.2021, 08:50 Uhr | Verfasser: Thorsten Köster
Es fehlten Mut, Vision und Selbstvertrauen
Thorsten Köster: Braunschweig hat mit dem Nein zur Welterbe-Bewerbung eine große Chance leichtfertig vertan.

Der Mehrheit der Mitglieder des Rates der Stadt Braunschweig fehlte die Überzeugung, dass ihre Heimatstadt etwas ganz Besonderes, ja weltweit Einmaliges zu bieten hat. Es fehlten Mut, Vision und Selbstvertrauen, um sich mit dem Konzept der Traditionsinseln, dem punktuellen Wiederaufbau der zerbombten Stadt nach 1946, auf die niedersächsische Vorschlagsliste zur Aufnahme in das UNESCO-Weltkulturerbe setzen zu lassen. Wir bedauern die Entscheidung des Rates und nehmen sie mit Unverständnis zur Kenntnis. 
Es ist sehr bedauerlich, dass eine Ratsmehrheit unserer Stadt so wenig zutraut. Der Status als Weltkulturerbe wäre ein großer Gewinn für Braunschweig

„Das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur hat die Stadt Braunschweig ausdrücklich aufgefordert, einen möglichen Vorschlag einzureichen. Und was macht diese Stadt Braunschweig? Sie lehnt kleinlaut ab, will sich damit gar nicht erst beschäftigen. Das ist ein verheerendes Signal nach außen und besonders nach innen“, kritisiert unser Vorsitzender Thorsten Köster.

Bei den Traditionsinseln handele es sich um die einzigartige Verknüpfung von Erinnerungskultur und Aufbau einer modernen Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg. „Sicher, wieder aufgebaute Bauwerke gibt es in vielen Städten, aber Braunschweig sollte sich auf unseren Vorschlag hin gerade nicht mit Steinen, sondern eben mit dem Konzept des damaligen Landeskonservators Kurt Seeleke bewerben, aber dafür fehlte den meisten Vertreterinnen und Vertretern im Rat der Stadt die Weitsicht. Offenbar aus parteipolitischen Überlegungen haben sie von vornherein abgelehnt, was ein großer Wurf für Braunschweig hätte werden können“, folgert Köster.

Seeleke hatte in der zu 90 Prozent zerstörten Stadt die fünf Traditionsinseln Aegidienviertel, Altstadtmarkt, Burgplatz, Magniviertel und Michaelisviertel geschaffen, damit das alte Braunschweig, eine der großen deutschen Metropolen des Mittelalters, nicht vollends unterging im Wahn, eine autogerechte Stadt aufzubauen. „Heute schätzen wir uns alle sehr glücklich, dass Kurt Seeleke wenigstens damals Gehör fand“, sagt Köster.

Seelekes Konzept hätte die Kriterien Authentizität (historische Echtheit), Integrität (Unversehrtheit) und vor allem ein außergewöhnlicher universeller Wert für die Menschheit für die Aufnahme in das Welterbe erfüllt. Kein anderes Welterbe beschäftigt sich mit dem Wiederaufbau einer kriegszerstörten Stadt. „Die Traditionsinseln besitzen sowohl national als auch international ein Alleinstellungsmerkmal. Ob sie eine Chance gehabt hätten oder nicht, ist ohne den Versuch einer Bewerbung natürlich nicht ernsthaft zu beurteilen, aber eine Bewerbung hätte Braunschweig in der Wahrnehmung seiner Einwohner und über die Stadtgrenzen hinaus einen Schub geben können, wie es die Bewerbungen zur ‚Stadt der Wissenschaft‘ oder zu ‚Europas Kulturhauptstadt‘ in der Vergangenheit getan hat. Schade, Chance leichtfertig vertan“, meint Thorsten Köster. 

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